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Low-Code und No-Code: So entwickelst Du eigene Apps ohne Programmierkenntnisse

Eigene Software ohne Entwicklerteam? Mit Low-Code- und No-Code-Plattformen wird das möglich. Fachabteilungen bauen Formulare, Datenbanken und Apps selbst, schnell und oft günstig. Hier erfährst Du, was hinter dem Trend steckt, wo er hilft und worauf Du achten musst.

23. Mai 2025

8 Min. Lesezeit

Low-Code & No-Code – was steckt hinter dem Trend zur einfachen App-Entwicklung?

Was bedeuten Low-Code und No-Code?

Früher brauchte man für jede eigene Software ein Entwicklerteam, viel Zeit und ein großes Budget. Für viele kleine Unternehmen war individuelle Software deshalb schlicht unerreichbar. Low-Code- und No-Code-Plattformen verändern das grundlegend. Sie ermöglichen es, Anwendungen, Datenbanken, Formulare und automatisierte Abläufe über grafische Oberflächen zu erstellen, statt jede Zeile Code selbst zu schreiben.

  • No-Code: Anwendungen entstehen komplett ohne Programmierkenntnisse, per Drag-and-drop und vorgefertigten Bausteinen. Zielgruppe sind Fachanwender ohne IT-Hintergrund.
  • Low-Code: Die meisten Funktionen werden ebenfalls grafisch erstellt, bei Bedarf lässt sich aber eigener Code ergänzen. Das richtet sich an technisch versierte Nutzer und Entwickler, die schneller arbeiten wollen.

Die Grenze zwischen beiden Ansätzen ist in der Praxis fließend. Viele Plattformen bieten einen einfachen Einstieg ohne Code und erlauben Fortgeschrittenen, tiefer einzusteigen.

Smartphones mit Apps: Eigene Anwendungen bauen mit Low-Code

Warum Low-Code und No-Code gerade jetzt boomen

Die Digitalisierung erfasst alle Branchen, vom Handwerk bis zur Arztpraxis. Doch IT-Fachkräfte sind knapp und teuer. Gleichzeitig wissen die Mitarbeitenden in den Fachabteilungen am besten, welche Werkzeuge sie brauchen. Low-Code und No-Code schlagen die Brücke: Menschen, die ein Problem kennen, können selbst die Lösung bauen.

  • Fachkräftemangel: Weniger Abhängigkeit von knappen Entwicklerressourcen.
  • Geschwindigkeit: Erste Versionen entstehen in Tagen statt Monaten.
  • Kosten: Einfache Anwendungen lassen sich ohne teure Individualentwicklung umsetzen.
  • Flexibilität: Änderungen sind schnell erledigt, wenn sich Anforderungen verändern.
  • Nähe zum Problem: Fachabteilungen bauen Lösungen, die genau zu ihren Abläufen passen.

Typische Einsatzbereiche in kleinen Unternehmen

Low-Code- und No-Code-Werkzeuge eignen sich besonders für interne Anwendungen und Abläufe, die sich mit Standardsoftware nur umständlich abbilden lassen.

  • Formulare und Anträge: Urlaubsanträge, Bestellformulare, Checklisten oder Prüfprotokolle.
  • Datenbanken: Kunden-, Projekt- oder Inventarverwaltung statt unübersichtlicher Tabellen.
  • Interne Apps: Kleine Anwendungen für Außendienst, Lager oder Werkstatt auf dem Smartphone.
  • Automatisierte Abläufe: Daten zwischen Programmen übertragen, Benachrichtigungen versenden, Freigaben einholen.
  • Kundenportale: Einfache Portale, in denen Kunden Aufträge verfolgen oder Dokumente abrufen.
  • Websites und Landingpages: Seiten per Baukasten ohne Programmierkenntnisse erstellen.
  • Dashboards: Kennzahlen übersichtlich darstellen.

Viele dieser Abläufe überschneiden sich mit klassischer Automatisierung. Einen Überblick über passende Werkzeuge findest Du in unserem Beitrag zu Automatisierungstools.

Die wichtigsten Arten von Plattformen

App- und Datenbank-Baukasten

Diese besonders beliebten Werkzeuge verbinden eine einfache Datenbank mit einer Oberfläche. Du legst Tabellen an, gestaltest Masken und Ansichten und erhältst eine Anwendung, die im Browser oder als App läuft.

Workflow- und Integrationsplattformen

Sie verbinden verschiedene Programme und automatisieren Abläufe nach dem Prinzip „Wenn das passiert, dann tue jenes“.

Website- und Shop-Baukasten

Mit ihnen entstehen Websites, Landingpages und Onlineshops ohne Programmierung. Vorlagen und Bausteine machen den Einstieg leicht.

Unternehmensplattformen

Große Anbieter von Büro- und Unternehmenssoftware bieten eigene Low-Code-Umgebungen, die eng mit ihren übrigen Produkten verzahnt sind. Für Unternehmen, die bereits solche Software nutzen, ist das oft ein naheliegender Einstieg.

Smartphone mit App in der Hand: Mobile Anwendungen mit Low-Code entwickeln

Vorteile und Grenzen im Überblick

Vorteile

  • Schneller Start: Ideen lassen sich rasch testen und umsetzen.
  • Geringere Kosten: Für einfache Anwendungen deutlich günstiger als Individualentwicklung.
  • Selbstständigkeit: Fachabteilungen können eigene Lösungen bauen und anpassen.
  • Einfache Wartung: Updates und Sicherheit übernimmt meist der Anbieter.

Grenzen

  • Abhängigkeit vom Anbieter: Ein Wechsel kann schwierig sein, wenn Daten und Logik an eine Plattform gebunden sind.
  • Begrenzte Flexibilität: Sehr spezielle Anforderungen stoßen an Grenzen der Bausteine.
  • Kosten bei Wachstum: Preise steigen oft mit Nutzern, Datenmengen und Funktionen.
  • Wildwuchs: Ohne Regeln entstehen viele kleine, undokumentierte Lösungen.
  • Sicherheit und Datenschutz: Auch einfache Apps verarbeiten oft sensible Daten.

So startest Du mit Low-Code und No-Code

  1. Problem definieren: Welcher Ablauf kostet heute Zeit oder führt zu Fehlern?
  2. Anforderungen notieren: Welche Daten, Nutzer und Schritte gehören dazu?
  3. Plattform auswählen: Prüfe Bedienbarkeit, Integrationen, Datenschutz und Kosten.
  4. Prototyp bauen: Starte mit einer einfachen Version und teste sie im Alltag.
  5. Feedback einholen: Was fehlt, was stört, was funktioniert gut?
  6. Verbessern und dokumentieren: Erweitere die Anwendung schrittweise und halte fest, wie sie funktioniert.

Viele dieser Plattformen laufen vollständig in der Cloud. Worauf Du bei Anbietern und Serverstandorten achten solltest, erklärt unser Vergleich von Cloudlösungen.

Low-Code trifft künstliche Intelligenz

Immer mehr Plattformen integrieren inzwischen KI-Funktionen, und die Entwicklung schreitet schnell voran. Anwendungen lassen sich per Texteingabe beschreiben, Formulare automatisch erzeugen oder Daten intelligent auswerten. Das senkt die Einstiegshürde weiter. Gleichzeitig steigt die Verantwortung, Ergebnisse zu prüfen und Daten zu schützen. Mehr dazu liest Du in unserem Beitrag zu KI im Unternehmen.

Regeln für den sicheren Einsatz

Damit aus vielen kleinen Anwendungen kein unübersichtliches Chaos wird, braucht es einfache, für alle verbindliche Regeln.

  • Zentrale Übersicht: Halte fest, welche Anwendungen es gibt und wer sie betreut.
  • Zugriffsrechte: Jeder sieht nur die Daten, die er braucht.
  • Datenschutz prüfen: Verarbeitungsorte, Auftragsverarbeitung und Löschfristen klären.
  • Sicherheit: Starke Passwörter und Zwei-Faktor-Anmeldung für alle Konten.
  • Datenexport: Sorge dafür, dass Deine Daten bei einem Anbieterwechsel mitgenommen werden können.

Grundlagen der IT-Sicherheit für kleine Betriebe findest Du in unserem Ratgeber zur Cybersecurity für Selbstständige sowie beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Kostenlose Unterstützung bei Digitalisierungsprojekten bieten die Zentren von Mittelstand-Digital.

Code auf dem Bildschirm: Low-Code ergänzt klassische Programmierung

Die richtige Plattform auswählen

Der Markt für Low-Code- und No-Code-Werkzeuge ist groß. Damit Du nicht nach Werbeversprechen entscheidest, solltest Du einige Kriterien systematisch prüfen.

  • Bedienbarkeit: Teste, ob die Menschen, die später damit arbeiten, ohne lange Schulung zurechtkommen.
  • Integrationen: Prüfe, ob sich die Plattform mit Deiner Buchhaltung, Deinem CRM, Deinem E-Mail-Programm und Deinen Speicherlösungen verbinden lässt.
  • Mobile Nutzung: Gerade für Außendienst oder Werkstatt ist eine gute Smartphone-Version wichtig.
  • Skalierbarkeit: Funktioniert die Lösung auch mit mehr Nutzern und größeren Datenmengen?
  • Datenschutz: Serverstandort, Vertrag zur Auftragsverarbeitung und Verschlüsselung.
  • Kostenmodell: Wie entwickeln sich die Preise, wenn Deine Anwendung wächst?
  • Community und Support: Gibt es Anleitungen, Vorlagen und schnelle Hilfe bei Problemen?

Nutze die angebotenen Testphasen konsequent und beziehe die künftigen Nutzer ein. Baue in jeder Plattform denselben kleinen Anwendungsfall nach und vergleiche, wie schnell und zuverlässig Du ans Ziel kommst.

Wer im Unternehmen Low-Code nutzen sollte

Der große Vorteil von Low-Code liegt darin, dass Menschen ohne Informatikstudium digitale Lösungen bauen können. Diese sogenannten Citizen Developer sind oft Mitarbeitende aus Verwaltung, Vertrieb, Logistik oder Service, die ihre Abläufe genau kennen.

Damit das gelingt, brauchen sie Zeit, Unterstützung und klare Zuständigkeiten. Benenne eine Person, die den Überblick über alle Anwendungen behält, Standards festlegt und bei Fragen hilft. Gibt es eine IT-Abteilung oder einen externen IT-Dienstleister, sollte dieser früh eingebunden werden, etwa bei Sicherheitsfragen oder Schnittstellen. So entsteht ein gutes Zusammenspiel zwischen Fachwissen und technischer Kompetenz.

Erfahrungen und Praxisbeispiele zur Digitalisierung im Mittelstand veröffentlicht regelmäßig auch der Digitalverband Bitkom.

Praxisbeispiel: Ein Gartenbaubetrieb digitalisiert seine Aufträge

Ein Garten- und Landschaftsbaubetrieb mit zwölf Mitarbeitenden verwaltet Aufträge bisher mit Zetteln und einer großen Tabelle. Die Büroleiterin baut mit einer No-Code-Plattform eine einfache App: Aufträge werden angelegt, den Teams zugewiesen und auf dem Smartphone angezeigt. Vor Ort erfassen die Mitarbeitenden Arbeitszeiten, Material und Fotos.

Nach einigen Wochen läuft die App stabil. Rechnungen entstehen schneller, weil alle Daten sofort vorliegen, und Rückfragen zwischen Büro und Baustelle sind deutlich seltener geworden. Die Entwicklung hat kein externes IT-Projekt erfordert, sondern einige Stunden Einarbeitung und Tests.

Typische Fehler bei Low-Code-Projekten

  • Ohne klares Ziel starten: Eine App ohne konkretes Problem wird selten genutzt.
  • Zu groß anfangen: Erst eine einfache Version, dann schrittweise erweitern.
  • Nutzer nicht einbinden: Wer die App später nutzt, sollte von Anfang an mitreden.
  • Keine Dokumentation: Verlässt die Erstellerin das Unternehmen, weiß niemand mehr, wie die Anwendung funktioniert.
  • Datenschutz vergessen: Auch kleine interne Werkzeuge verarbeiten oft personenbezogene Daten.

Wer diese Fehler vermeidet, schafft Lösungen, die im Alltag wirklich helfen und lange zuverlässig laufen. Gerade beim Festhalten von Wissen rund um selbst gebaute Anwendungen hilft eine strukturierte Ablage. Wie das gelingt, erklärt unser Beitrag zum Wissensmanagement.

Fazit: Digitale Lösungen selbst gestalten

Low-Code und No-Code machen Softwareentwicklung für kleine Unternehmen endlich zugänglich. Fachabteilungen können eigene Anwendungen bauen, Abläufe digitalisieren und schnell auf Veränderungen reagieren, ohne auf knappe Entwicklerressourcen zu warten.

Starte mit einem konkreten Problem, baue einen einfachen Prototyp und verbessere ihn gemeinsam mit den Nutzern im Alltag. Achte von Anfang an auf Datenschutz, Sicherheit und Dokumentation. So wird Low-Code zum Werkzeug, mit dem Du Deine Digitalisierung selbst in die Hand nimmst.

Häufige Fragen zu Low-Code und No-Code

Was ist der Unterschied zwischen Low-Code und No-Code?

No-Code-Plattformen ermöglichen die Erstellung von Anwendungen völlig ohne Programmierkenntnisse. Low-Code-Plattformen arbeiten ebenfalls grafisch, erlauben aber zusätzlich eigenen Code für komplexere Anforderungen.

Für wen eignen sich No-Code-Tools?

No-Code-Tools eignen sich für Fachanwender ohne IT-Hintergrund, die Formulare, Datenbanken, einfache Apps oder automatisierte Abläufe selbst erstellen möchten.

Welche Anwendungen kann ich mit Low-Code bauen?

Typisch sind interne Apps, Formulare, Datenbanken, Kundenportale, Dashboards, Websites und automatisierte Workflows zwischen verschiedenen Programmen.

Ist Low-Code sicher?

Seriöse Plattformen bieten hohe Sicherheitsstandards. Entscheidend sind zusätzlich klare Zugriffsrechte, starke Anmeldeverfahren, geprüfter Datenschutz und eine Übersicht aller Anwendungen.

Ersetzt Low-Code klassische Softwareentwicklung?

Nein. Für komplexe, individuelle oder sehr leistungsintensive Anwendungen bleibt klassische Entwicklung wichtig. Low-Code ergänzt sie vor allem bei internen und einfacheren Lösungen.

Was kosten Low-Code-Plattformen?

Viele Anbieter haben kostenlose Einstiegstarife. Die Kosten steigen meist mit der Zahl der Nutzer, Anwendungen, Datenmengen und Funktionen.

Was ist ein Citizen Developer?

Ein Citizen Developer ist eine Person aus einer Fachabteilung ohne klassische Programmierausbildung, die mit Low-Code- oder No-Code-Werkzeugen eigene Anwendungen für ihre Arbeit entwickelt.